Das NEURO.BORD von Thomas Klingelhöfer

In meinen Fachbereich der Orthopädie und der Neurologie ist das NEURO.BORD eine super Unterstützung der Therapie.

Seit Jahren fange ich alle Behandlungen der unteren oder auch oberen Extremitäten (also auch Hüft- und Knieproblematiken bzw. Ellenbogen Schulter) mit einer selbsternannten „Fußaktivierung“ an. Hier versuche ich so viel sogenannter Mechanorezeptoren/ Propriozeptoren innerhalb kürzester Zeit über die Haut, Muskulatur, Gelenkstrukturen usw. zu erreichen und damit zu aktivieren.

Sinn und Zweck dieser Maßnahme ist es, dass ich das Gehirn auf die anstehende Therapieeinheit (aktive Maßnahme) vorbereiten möchte. Wie wir in der Therapie natürlich schon lange wissen, findet die Bewegung im Gehirn statt. Das bedeutet, bevor wir uns auch nur einen Millimeter bewegen, ist das entsprechende Bewegungsprogramm dafür bereits über verschiedene Bereiche im Gehirn komplett fertig geplant und wird in jeder Millisekunde während der Bewegungsausführung überprüft und ggf. angepasst. Dieser Prozess wird u.a. als Feedforward bzw. Feedbacksystem bezeichnet. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass sich das Gehirn erst alle nötigen Informationen aus dem Körper (Propriozeption) besorgt, hieraus eine dreidimensionale Landkarte über den Körper erstellt, dies mit den Informationen aus der Umgebung abgleicht und sich darüber im Raum orientiert.

Erst wenn es diese Informationen alle vorliegen hat, kann es eine effiziente und präzise Bewegung planen, ausführen und kontrollieren. Sind die Informationen nicht vorhanden (z.B. häufig bei meinen Schlaganfall-, MS-Patienten) oder nicht genau genug (oft auch bei gesunden Menschen und auch Athleten), so ist auch die Bewegung nicht optimal. Gerade im neurologischen Bereich kann dies ein großes Hemmnis beim Erlernen neuer Bewegungen darstellen.

Ein Teil der Propriozeption ist der Input aus der Haut. Hier kommen nun die Vorteile des NEURO.BORD zum tragen. Durch seine Beschaffenheit erzeugt es sofort einen Großteil der Wahrnehmung auf die Füße lenkt. Anders eingesetzt, kann ich diesen Effekt auch an den Händen erzeugen. Daher dient es mir sehr gut zur Vorbereitung und ich kann dann innerhalb der Therapie mit Bewegung und gezielterem Wahrnehmungstraining alle weiteren Rezeptoren ansprechen. Da viele meiner neurologischen Patienten nicht in der Lage sind ihre Füße eigenständig zu stimulieren oder auch mit Igel-, Tennisbällen oder anderen ähnlichen Kleingeräten häufig nicht zurechtkommen, ist das NEURO.BORD eine tolle Möglichkeit für die Patienten auch im häuslichen Umfeld und eigenständig etwas für die Verbesserung ihrer Wahrnehmung zu

tun und damit die Therapie zu unterstützen. Es ist unumgänglich, dass sich die Patienten auch eigenständig und täglich mit ihrem Körper beschäftigen und so weitere Erfolge in der Therapie ermöglichen.

einen hohen mechanischen Input an der Haut Fußsohle, aber auch in den tieferliegenden Schichten des muskulo-fascialen Systems (je nach Druck), was

Gerade die Füße, wie auch die Hände, werden als „Taktgeber“ für sämtliche Bein- oder auch Armaktivitäten angesehen. Passt hier der Input nicht, so ist auch die ganze Bewegung der daran hängenden Extremität negativ beeinflusst. Dies kann man alleine schon an der neurologischen dreidimensionalen Landkarte im Gehirn sehen (dem sogenannten motorischen und sensomotorischen Homunkulus). Hier sind gerade die Hände und die Füße (u.a. auch das Gesichts) extrem groß auf der Großhirnrinde repräsentiert, während der Rest des Körpers relativ klein dargestellt ist. Daher ergibt sich die hohe Priorität des Gehirns für diese Körperteile in Bezug auf die Bewegungsplanung.

Als weitere positive Zusatzeffekte bringt das NEURO.BORD eine Verbesserung der Durchblutung und Viskosität des Gewebes mit sich. Darüber hinaus stimuliert es die in der Haut liegenden Ruffini-Rezeptoren, welche zu einer parasympathischen Wirkung beitragen. Man kann die Patienten oder Klienten aber auch auf das NEURO.BORD liegen lassen und die bekannten und positiven Effekte einer Nadelreizmatte nutzen. Hierbei wird, neben der verbesserten Durchblutung, ebenfalls unser Entspannungssystem (parasympathisches System) aktiviert und wir kommen in einen Entspannungszustand. Dies nutze ich gerne für meine Klienten im Bereich der Schmerztherapie, welche meist ein zu hohes Erregungsniveau aufzeigen und Schwierigkeiten haben „herunterzufahren“.

Alles in allem kann ich das NEURO.BORD sowohl in der Therapie als auch im Coaching auf verschiedene und vielfältige Art und Weise einsetzen, ob als Trainingsgerät für Zuhause oder innerhalb der Einheit.

Thomas Klingelhöfer – Ergotherapeut und Trainer – MedAktiv